Nachhilfe kostet Tiroler Eltern mehr als 8,7 Millionen Euro pro Jahr!
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Das System Schule erzeugt in Tirol einen hohen Nachhilfebedarf. Rund drei Viertel der Tiroler Eltern von Kindern, die zur Schule gehen, lernen mit ihren Kindern. 26% der Eltern bestätigen, dass ihr Kind im Laufe des letzten Schuljahres eine externe Nachhilfe gebraucht hat.
- AK-Forderungen zur Verbesserung der Situation
- AK Tirol bietet günstige Sommerschule
- Nachhilfemöglichkeiten
Bei knapp einem Fünftel aller Tiroler Haushalte mit einem Schulkind handelte es sich um eine bezahlte Nachhilfe, an einzelnen Schultypen und an „kritischen“ Schulübergängen (4./5., 8./9. und 10./11. Schulstufe) sogar noch mehr.
Das ist nur eines der alarmierenden Ergebnisse eines Nachhilfemonitorings, das die Arbeiterkammer Tirol bei Universitäts- und Forschungsinstituten (Institut für Soziologie der Universität Innsbruck, IFES) regelmäßig in Auftrag gibt. AK-Präsident Erwin Zangerl: „Alle jungen Tiroler und Tirolerinnen brauchen gleiche Chancen von Klein auf. Das schulische Fortkommen darf keine Frage des Einkommens sein. Die Ergebnisse der Studien untermauern, dass der schulische Erfolg der Kinder in vielen Tiroler Familien teuer erkauft werden muss. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Wenn das System Schule seiner Verpflichtung zur Ausbildung nicht mehr in ausreichendem Maße nachkommt, wenn jeder fünfte Schüler bezahlte Nachhilfe benötigt, muss diese Problematik endlich offen diskutiert werden und es sind im schulischen Bereich endlich neue Wege einzuschlagen!“.
Das Forschungsergebnis ist in mehrfacher Hinsicht bedenklich: Nachhilfebedarf ist nicht etwa die Folge einer schulischen Vernachlässigung der Kinder durch die Eltern, sondern resultiert vor allem daraus, dass der Lehrstoff in der Schule nicht nachhaltig bewältigt und vertieft wird. Die Gründe für Nachhilfe sind vielschichtig: zu hohe Anforderungen, schlechtes Erklären, mangelnde Motivation/Fleiß, schlechtes Klassenklima, falsche Schulwahl, persönliche Probleme etc. Die Schulleistungen hängen in Österreich und auch in Tirol stark vom Bildungshintergrund und vom sozialen Status der Eltern ab. Eltern mit höherem Einkommen und einem höheren Bildungsabschluss können ihre Kinder bei der Bewältigung der schulischen Probleme besser unterstützen.
Das Marktvolumen für bezahlte Nachhilfe liegt derzeit in Tirol bei ca. 8,7 Millionen Euro. Durchschnittlich wird jeder Haushalt mit 727 Euro belastet. Die Eltern bezahlen daher nicht nur über Steuern und Abgaben das öffentliche Schulsystem sondern vermehrt auch den privaten Nachhilfemarkt, den man auch als ausgelagerte Aufgabe der Schule betrachten könnte. Daher besteht aus der Sicht der AK Tirol dringender Handlungsbedarf im Schulsystem.
AK-Forderungen zur Verbesserung der Situation
Dauerhaft kann eine finanzielle und zeitliche Entlastung der Eltern bei der Nachhilfe stattfinden, wenn die Bildungspolitik an folgenden Punkten ansetzt:
- Beseitigung der kritischen und teils zu frühen Übergänge, in denen Schulwahlentscheidungen zu treffen sind (Übergang Volksschule zu Hauptschule oder Gymnasium; Übergang Sekundarstufe I zu II)
Maßnahme: Einführung einer gemeinsamen Schule der 6- bis 14jährigen bei gleichzeitiger Verstärkung der individuellen Förderung und Aufhebung der starren Leistungsgruppen. - Nachhilfe darf nicht davon abhängig gemacht werden, ob Eltern persönliche oder finanzielle Unterstützung geben können (Gefahr der Vererbung des Bildungsstandes).
Maßnahme: Ausbau der Ganztagesschulen angesichts steigender Berufstätigkeit der Eltern, Ausweitung des Förderunterrichts an Schulen. - Vermeiden, dass Schülerinnen und Schüler wegen eines „Nicht Genügend“ ein ganzes Schuljahr wiederholen müssen.
Maßnahme: Einführung eines Kurssystems in der Oberstufe, bei dem nur jene Prüfungen wiederholt werden müssen, in denen ein „Nicht Genügend“ beurteilt wurde. In allen anderen Fächern in der nächsten Leistungsstufe fortgesetzt werden. - Bessere Aufklärung der Eltern und Schülerinnen und Schüler zur Erzielung richtiger Berufs- und Schulwahlentscheidungen.
Maßnahme: Einführung des Faches Berufsorientierung, Einbindung der Eltern, Sozialpartnereinrichtungen und relevanten Akteure (schulische Vertreter, Unternehmen, Beratungseinrichtungen etc.). - Beseitigung der Nachteile mangelnder Sprachkenntnisse.
Maßnahme: Frühe Sprachförderung bei Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache durch kostenloses letztes Kindergartenjahr für alle. - Entschärfung des „Schreckfaches“ Mathematik.
Maßnahme: Forcierung einer zeitgemäßen Didaktik im Mathematikunterricht (z.B. Projekt IMST) und im Zusammenhang mit der Einführung von Bildungsstandards in Mathematik auch kritische Überprüfung der Inhalte sowie generell stärkere Betonung der Didaktik in der Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer. - Spezielles gegen die hohen Nachhilfe- und Dropout-Zahlen
Maßnahme: Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen auch in den Berufsbildenden höheren Schulen (derzeit Teilung in 4 Fächern in 1. Klassen), Ausbau dieser Schulen und bessere Fachdidaktik Mathematik und Rechnungswesen.
AK Tirol bietet günstige Sommerschule
Die AK Tirol bietet über das BFI Tirol günstige Nachhilfekurse an: in den Semesterferien, Osterferien und zur Vorbereitung auf die Wiederholungsprüfung im Herbst in den Sommerferien. Pro Jahr besuchen mehr als 900 Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen (im Durchschnitt fünf Schüler/innen) die Fächer Mathematik, Englisch, Deutsch, Rechnungswesen, Italienisch, Französisch und Latein in allen Bezirken Tirols.
Die Arbeiterkammer garantiert mit ihrer Subvention von über 100.000 Euro pro Jahr die günstigen Kurskosten, sodass sich auch Kinder einkommensschwächerer Familien Nachhilfe leisten können. Der Preis pro Unterrichtsstunde beträgt je nach Kurs 5 - 6 Euro.
Nachhilfemöglichkeiten
- Erkundigen Sie sich bei Mitschülerinnen oder Mitschülern, ob diese Lernunterstützung anbieten können.
- Auch Schülerinnen und Schüler höherer Klassen oder Studierende geben manchmal günstig Nachhilfe.
- Sehen Sie sich bei der Nachhilfebörse des Infoecks des Landes Tirol um: mei-infoeck.at
- Erkundigen Sie sich nach guten Büchern für einzelne Unterrichtsfächer und zum richtigen Lernen in der AK-Bücherei.
- Es gibt Internetplattformen zu einzelnen Unterrichtsfächern. Manche davon bieten Schülerinnen und Schülern kostenlos die Möglichkeit, in einem moderierten Forum Hilfe zu einzelnen Fragestellungen zu erhalten.
Beispiel: matheboard.de, mathepower.com, lernen-mit-spass.ch oder inhaltsangabe.info
- Neue Initiativen: „Nachhilfekaskade“: Studierende geben in ihren Fächern Oberstufenschülern Nachhilfe. Oberstufenschüler/innen müssen dafür nichts bezahlen, verpflichten sich aber ihrerseits wiederum Unterstufenschüler/innen (z.B. Hauptschule, Neue Mittelschule) zu unterstützen. Dafür bezahlen die Unterstufenschüler geringe Beiträge. Das Modell wurde in Deutschland von Murat Vural entwickelt.
In Tirol gibt es derzeit Bestrebungen, dieses Pilotprojekt mit ausgewählten Schulen in Innsbruck umzusetzen.
- Bei der Wahl für ein Nachhilfeinstitut: Achten Sie auf die Qualität und führen Sie einen Preisvergleich durch (unter Beachtung der Dauer der Unterrichtseinheiten, Gruppengrößen, Rabattierungen etc.)!
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