Tiroler Arbeiterkammer fordert Aufklärung der Klinikverantwortlichen und fairen Umgang mit betroffenen Familien und Klinikmitarbeitern

Die AK Tirol und RA Dr. Juen sind verwundert über die aktuellen Äußerungen der Tiroler Ärztekammer und der Führung der Tiroler Landeskrankenanstalten im Zuge der Präsentation des Gutachtens zum Tod eines dreijährigen Mädchens.

Die Tiroler Ärztekammer und die Tilak sprechen darin vom „Versuch zur medialen Vorverurteilung" und vergessen dabei, dass die Tiroler Bevölkerung ein Recht auf Antworten der Klinikverantwortlichen hat, wenn renommierte Sachverständige grobe organisatorische und medizinische Missstände an einer Universitätsklinik aufzeigen. Da die Klinikführung bis dato noch immer nicht sagen wollte bzw. konnte, ob bzw. was nach den tragischen Vorfällen in der Organisationsstruktur verändert wurde, um solche tragischen Vorfälle zukünftig zu verhindern, ist es eine Verpflichtung der größten Interessenvertretung im Land Tirol, öffentlich Antworten einzufordern.

Zu erwähnen ist auch, dass die Behauptung der Tilak, dass „alle Forderungen der Familie schon vor geraumer Zeit erfüllt und an die Familie ausbezahlt“ worden seien, unrichtig ist.

Auch die Tiroler Ärztekammer sollte im Sinne der von ihr vertretenen Ärzteschaft, die täglich medizinische Bestleistungen erbringen, ein Interesse daran haben, dass notwendige Strukturänderungen an der Klinik Innsbruck rasch umgesetzt und auch der Bevölkerung mitgeteilt werden, um das uneingeschränkte Vertrauen wiederzugewinnen. Das unterstützt auch die Ärzte und das gesamte medizinische Personal, die unter möglicher Personalknappheit am meisten zu leiden haben und denen sicher nicht dadurch geholfen ist, wenn sich die Klinikverantwortlichen zu den vom Gutachter aufgezeigten strukturellen und organisatorischen Problemen nicht äußern.

Die Rechtsabteilung der Tilak GmbH wurde seitens RA DR. Thomas Juen mehrfach aufgefordert mitzuteilen, welche konkreten Konsequenzen aus den Fällen Azra, Nadina und Amel gezogen wurden bzw. werden. Bis heute ist hierzu keine Rückantwort der Tilak GmbH erfolgt.

Das Gutachten des Sachverständigen Prof. Strauß in der Sache Nadina liegt nunmehr bereits seit über 1 Jahr vor. Dieses Gutachten hat im konkreten Fall zahlreiche Mängel in der anästhesiologischen und intensivmedizinischen Versorgung angesprochen. Das nunmehr vorliegende weitere Sachverständigengutachten des Herrn Prof. Strauß in der Sache Azra zeigt erhebliche Parallelen zum Fall Nadina. Selbst der Sachverständige weist in seinem Gutachten darauf hin, dass er hinsichtlich der seinerseits festgestellten Dokumentationsmängel sowie der Verwendung ungeeigneter Infusionen ein weitgehend unverändertes Verhalten vorfindet.

Knapp 8 Monate nach dem Tod Azras ortet auch der neue Kinderklinikchef offensichtlich immer noch „so viele Baustellen, dass er gar nicht weiß, wo er zuerst anfangen soll“.

Azras Familie erwartet sich von der Tilak einen offenen Dialog und nicht den ständigen Hinweis auf ein laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Die Dauer derartiger Ermittlungsverfahren lag in vergleichbaren Fällen zuletzt etwa bei 2 bis 3 Jahren Derartige Fehler dürfen in Hinkunft nicht mehr passieren. Darum gehören diese Mängel jetzt angesprochen und nicht irgendwann!

Eine Reaktion der Klinikverantwortlichen blieb jedoch bisher aus und der Öffentlichkeit sowie den betroffenen Familien wurde und wird nicht mitgeteilt, welche Änderungen bzw. Verbesserungen an der Klinik Innsbruck tatsächlich bereits durchgeführt wurden, um solch tragische Fälle in Zukunft zu verhindern. Im Gegenteil: Es wird versucht, die Vorkommnisse als tragische Einzelfälle darzustellen und diejenigen, die Licht ins Dunkel bringen wollen, in ein schlechtes Licht zu rücken und die Mitarbeiter gegen die Arbeiterkammer aufzubringen.

Die Tiroler Bevölkerung und die Öffentlichkeit haben ein Recht darauf, zu erfahren, ob bzw. welche konkreten Änderungen insbesondere auch in der Organisationsstruktur und bei den verantwortlichen Entscheidungsträgern der Tilak zur Verbesserung der Situation durchgeführt wurden bzw. werden.

Die AK Tirol erinnert nochmals daran, dass es nicht um einen Angriff gegen die Tilak-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter geht, sondern dass offensichtliche Organisationsmängel und Personalengpässe seitens der Führung nicht ernsthaft angegangen werden bzw. keine lückenlose Aufklärung erfolgt.

Es ist zu wenig, wenn die Tilak ständig auf laufende Ermittlungsverfahren verweist und keine Stellungnahme abgeben möchte. Es muss bedacht werden, dass derartige Ermittlungsverfahren in vergleichbaren Fällen zuletzt zwei bis drei Jahre dauerten.

Es geht darum, dass diese Fehler nicht mehr passieren, deshalb gehören sie jetzt angesprochen und nicht irgendwann. Die AK hat zudem das Gefühl, dass die Tilak-Führung das Thema Organisationsverschulden und Verbandsverantwortlichkeit den eigenen Mitarbeitern nicht richtig vermittelt.

Es geht um die Organisationsverantwortung der Klinik und sicher nicht des Personals. Nicht der Einzelne soll kriminalisiert werden, sondern das System gehört verändert. Die Klinik und die zuständigen Entscheidungsträger sind angehalten, dringend notwendige technische, organisatorische und personelle Maßnahmen zur Verhinderung derartiger Fehler endlich zu setzen.

Anlässlich der Pressekonferenz am 12.06.2012 wurde das anästhesiologische und intensiv-medizinische Gutachten des Prof. Strauß veröffentlicht.

Im Rahmen dieser Pressekonferenz wurden die involvierten Ärzte bzw. Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter weder namentlich genannt noch „vorverurteilt“.

Die Tiroler Ärztekammer möge auf die objektive Beweiswürdigung der zuständigen Gerichte ebenso vertrauen wie es Azras Familie tut.

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