AK Studie zeigt: Nachhilfe wird immer öfter unfinanzierbar

AK-Studie. Jeder dritte Schüler braucht Nachhilfe. Die Kosten dafür: 8 Mio. Euro! Drei Viertel der Eltern müssen mit Kindern lernen.

Wie schaut der Nachhilfebedarf bei Tirols Schülern aus? Die Ergebnisse sind ernüchternd: Jeder dritte Schüler braucht private Nachhilfe. Die Kosten dafür beliefen sich in Tirol auf 8 Millionen Euro! Dennoch müssen drei Viertel der Eltern am Nachmittag mit den Kindern lernen. In dieser Situation wünschen sich die Eltern mehr Förderunterricht, schulische Nachmittagsbetreuung oder gleich die echte Ganztagsschule. Das ist das Ergebnis der aktuellen Nachhilfestudie für Tirol.

Zwar sind in Tirol die Gesamtausgaben für Nachhilfe gegenüber 2010 zurückgegangen, aber es gibt keine Entwarnung. 25 % der befragten Eltern haben für zumindest eines ihrer Kinder im Laufe des letzten Jahres eine externe Nachhilfe engagiert. Im Regelfall handelt es sich um eine bezahlte Nachhilfe (20%).

490 Euro pro Jahr und Kind

Der Anteil der bezahlten Nachhilfe ist in Tirol gegenüber 2010 sogar nochmals leicht angestiegen. Eltern geben 2012 in Tirol trotzdem „nur mehr“ 8 Millionen Euro für bezahlte Nachhilfe aus. 2010 waren es noch rund 9 Millionen Euro. Umgelegt auf die finanzielle Belastung der Haushalte bedeutet dies 557 Euro pro Jahr. 2010 lag der durchschnittliche Betrag noch bei 727 Euro. Pro Kind betragen die Nachhilfekosten im Schnitt pro Jahr 490 Euro.

Dass die Summe der Nachhilfekosten in Tirol zurückgegangen ist, liegt vor allem daran, dass sich immer weniger Eltern eine professionelle und damit kostspielige Nachhilfe bei einem privaten Nachhilfeinstitut leisten können. Eltern weichen mit ihren Kindern eher auf Nachhilfeangebote aus, die weniger kosten oder nehmen Gruppenangebote in Anspruch. Der Rückgang bei professionellen Nachhilfeinstituten und der Anstieg von Nachhilfe durch Studierende und Mitschüler ist ein Beleg dafür. Verringert hat sich auch die Anzahl der Eltern, die in den letzten Sommerferien für ihre Kinder eine Nachhilfe finanziert haben. Damit steigt auch die Gefahr der sozialen Selektion, weil der Schulerfolg davon abhängig wird, ob man sich Nachhilfe leisten kann. Das Budget der Eltern wird damit stärker zum Faktor für den schulischen Erfolg der Kinder.

Ganztagesschule

Um alle Talente zu fördern und die Eltern von teurer Nachilfe oder als unfreiwillige Hilfslehrer zu entlasten, sind für die Arbeiterkammer drei Punkte wichtig: Förderung schon vor Schuleintritt durch eine schrittweise Ausweitung der frühkindlichen Förderung im Kindergarten ab dem dritten Lebensjahr. Läuft ein Kind Gefahr, zum Schulschluss negativ abzuschließen, sollen Lernförderung und sozialpsychologische Betreuung in der Schule verpflichtend sein. Beim laufenden Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung ist die echte Ganztagsschule die beste Lösung. Statt dicht gedrängtem Vormittagsunterricht ein Wechsel von Unterricht, Üben und Freizeit.

Hilfe schon in der Volksschule

65 % der Haushalte geben an, dass Nachhilfe unmittelbar vor Schularbeiten, Tests und vor Entscheidungsprüfungen nötig wird. Leider breitet sich das Phänomen Nachhilfe auch auf die Volkschüler aus. Von den Haushalten, die angaben, bezahlte Nachhilfe in Anspruch zu nehmen (= 20% aller befragten Haushalte), kommt bereits ein bedeutender Anteil aus den Volksschulen. Der Nachhilfeanteil bei den Volksschülern liegt in einer ähnlichen Größenordnung wie bei den AHS-Unterstufen-Schülern. In 101 von 300 befragten Haushalten wohnt ein Volksschüler, der während des letzten Schuljahres mindestens einmal eine Nachhilfe durch andere Personen erhalten hat; ca. 15 % davon bezahlte Nachhilfe.

Mathe führt

Auch an den Fächern mit höchstem Unterstützungsbedarf hat sich wenig geändert. Im laufenden Schuljahr bzw. in den vergangenen Sommerferien entfallen der AK Studie zufolge die höchsten Nennungsanteile auf das Fach Mathematik. Es wird in 60 % der Haushalte als Nachhilfefach angegeben, gefolgt von Sprachfächern und Deutsch. Das Fach Rechnungswesen hat schulartspezifische Bedeutung bei den kaufmännischen Schulen. Hier besteht Fortbildungsbedarf vor allem bei jenen Lehrern, deren Schüler überdurchschnittlich häufig die Lernziele nicht erreichen.

Teurer Bildungsabschluss

Wenn Nachhilfe zum Fixbestandteil der Schule gehört, hapert es am System. Derzeit erkaufen sich viele Eltern den Erhalt der Chancen auf einen erfolgversprechenden Bildungsabschluss ihrer Kinder zu einem hohen Preis. Da ist der Nährboden für den Nachhilfeboom. Der Nachhilfemarkt reagiert auf diese Ängste der Eltern, dass ihre Kinder das Bildungsziel nicht schaffen und bietet ganzjährige Lernkurse an. Mit der Schulwahl ist dann Nachhilfe oft schon inbegriffen.

Weitere Ursachen liegen in der oft fehlenden Kommunikation zwischen Schüler, Eltern und Lehrern und in den mangelnden pädagogischen Fähigkeiten mancher Lehrer. So ist auch zu beobachten, dass mit einem Lehrerwechsel manchmal das Problem gelöst ist. Es gibt aber auch strukturelle Gründe.

Wer verdient

Am Nachhilfemarkt verdienen größtenteils die privaten Nachhilfeinstitute (28%), Lehrer (28%) und Studierende (30%). Positiv vermerkt wird, dass bei Schülern der Neuen Mittelschulen weniger Nachhilfeausgaben zu verzeichnen sind und dass die private Nachhilfe im Regelfall zum gewünschten Erfolg führt.

Um die Nachhilfeproblematik in den Griff zu bekommen, hat die AK einige Verbesserungvorschläge: Der Unterricht gehört so gestaltet, dass die Schüler den Lernstoff auch verstehen. Lehrerfortbildung für alle muss intensiviert werden. Je kleiner die Gruppen, desto größer der Erfolg. Daher sollten mehr Klassenteilungen in einzelnen Fächern vorgenommen werden. Mehr Förderunterricht an den Schulen. Verstärkter Ausbau der Ganztagesschulen mit individueller Förderung. Eine bessere Beratung bei der Schulwahl, etwa durch ein verpflichtendes Unterrichtsfach Berufsorientierung.

Auf die Qualität achten

Bei der Auswahl des Nachhilfeanbieters sollten Eltern einiges beachten, um keine Überraschungen zu erleben

Bei der Auswahl des Nachhilfeanbieters sollten Eltern einiges beachten, um keine Überraschungen zu erleben: Gibt es allgemeine Informationen zum Nachhilfeanbieter? Hat der Nachhilfeanbieter einen guten Ruf? Was steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (zeitliche Bindung, Anmeldemodus, Zahlungsbedingungen, Dauer der Unterrichtseinheiten, Stornobedingungen etc)? Weitere Kriterien sind die Frage nach Einzel- oder Gruppenunterricht sowie die Gruppengröße. Welche Praxisjahre und welchen Ausbildungshintergrund haben die Nachhilfelehrer. Ein Kostenvergleich lohnt sich unter Berücksichtigung der Dauer der Unterrichtseinheit, der Gruppengröße, bei Rabatten und bei verkürzter Inanspruchnahme in Rumpfschuljahren (z.B.Matura).

Wichtig ist auch: Welche Inhalte werden vermittelt? Liegen den Nachhilfekursen die richtigen Lehrpläne zu Grunde? Kennt der Nachhilfelehrer den Lehrplan, die Schule, den Lehrer und die Prüfungsmethoden? Gibt es ein Vorgespräch über Ausgangssituation und Ziele vor dem Nachhilfeunterricht? Wird nicht nur fachliche Unterstützung angeboten sondern auch Tipps gegeben, wie man richtig lernt?

So findet man Nachhilfe: mei-infoeck.at (Nachhilfeinstitute und Nachhilfebörse) und in unseren Info-Artikeln (siehe Infobox).

Sommerschule der AK Tirol

Die AK Tirol bietet über das BFI günstige und hochwertige Sommerkurse für Schüler in ganz Tirol an: Vom 6. bis 31. August, Montag bis Freitag je 2 Stunden pro Fach für Schüler der Hauptschule, AHS, BMS und BHS, für die Fächer Deutsch, Mathematik, Latein, Englisch, Französisch, Italienisch und Buchhaltung.

Kosten: 195 € pro Kurs für Kinder von AK-Mitgliedern, 275 € für alle anderen. Für den Besuch eines zweiten Kurses oder für mehrere Kinder einer Familie gibt es Ermäßigungen.

Anmelden: BFI Innsbruck (0512/59 6 60-0) oder in den Bezirksstellen Imst, Kitzbühel, Kufstein, Landeck, Lienz, Reutte, Schwaz sowie in der AK Telfs.

Die Anmeldefrist: bis 18. Juli 2012. (Kurse starten nach Zustandekommen einer Mindestteilnehmerzahl)

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