Wohnbauförderung: Da geht noch mehr! AK Impulse für erschwinglicheres Wohnen
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Im Bereich der Wohnbauförderung sieht die AK wesentliches Verbesserungspotential.
Mit den Worten „Und er bewegt sich doch“ kommentiert AK Präsident Erwin Zangerl die von Wohnbaulandesrat Gschwentner vorgestellte Novelle der Tiroler Wohnbauförderung. So wurden einzelnen Fördersätze erhöht und die Rückzahlungskonditionen erleichtert. Die finanzielle Belastung wird durch niedrigere Zinsen zwar abgemildert, aber durch die längere Laufzeit nicht wesentlich verbessert.
Zangerl: „Deshalb bleiben auch die Forderungen der AK Tirol aufrecht: Die Wohnbauförderung gehört wieder zweckgebunden. Die gestaffelten Rückzahlungskonditionen stellen auf Reallohnsteigerungen ab, die jedoch kaum gegeben sind. Vor allem sollte eine abgezinste vorzeitige Rückzahlung der Wohnbauförderungsdarlehen möglich sein.“
Impulse aus der AK Resolution für erschwinglicheres Wohnen
Die hohen Kosten fürs Wohnen stellen für immer mehr Tiroler Familien eine enorme finanzielle Belastung dar. Wenn alle gemeinsam an diesen Punkten arbeiten, können wir die Wende schaffen“, ist AK-Präsident Erwin Zangerl überzeugt, der Landesregierung und Landtag, Gesetzgeber, gemeinnützige Wohnbauträger, Städte und Gemeinden in dieser Frage zur Zusammenarbeit aufruft.
Wohnbauförderung zweckbinden
Bei der Wohnbauförderung verlangt die AK die Wiedereinführung der Zweckbindung. Das würde den Wohnungsbau ankurbeln und damit die Wohnkosten senken. Der Wohnbauförderungsbeitrag beträgt 1 % des Lohns und ist je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern abzuliefern. Einige gesellschaftliche Gruppen leisten keinen Beitrag zur Aufbringung der Mittel (Gewerbetreibende, Neue Selbstständige, Landwirte), bekommen aber sehr wohl Geld aus dem WBF-System.
Früher wurden aus diesem Topf günstige Wohnbaudarlehen finanziert. Das System wurde jedoch von Bund und Ländern ausgehebelt. Ein Großteil der Milliarden und selbst die Rückflüsse aus Wohnbaukrediten werden zum Stopfen der Budgetlöcher verwendet oder damit ungeniert spekuliert. Die AK verlangt: Zweckbindung der Mittel für den geförderten Wohnbau und Beitragsleistung aller Gruppen, die Vorteile aus dem System ziehen.
Revitalisierung der Ortskerne
Es braucht eine Abkehr von der langjährigen Praxis, dass Wohnungen nur in Neubaugebieten geschaffen werden können. Vielmehr sollte die alte Bausubstanz in den Ortskernen stärker genutzt, zu zeitgemäßen und zweckmäßigen Wohnungen aus- oder umgebaut werden. Junge Familien sind zwar leistungsbereit und motiviert, es mangelt ihnen aber an Geld bzw. Rücklagen. Die Anrechnung von Eigenleistungen als Ersatz für teilweise fehlendes Eigenkapital sowie die Vergabe von zinsbegünstigten Krediten analog zum Landeskulturfonds könnte dies wettmachen. So könnten Junge gefördert vom Land Tirol günstig leerstehende ältere Objekte in den Ortskernen erwerben. Das belebt die Zentren und schafft dringend benötigten günstigen Wohnraum.
Mehr Kontrolle der Gemeinnützigen
Bei den Gemeinnützigen wird mit viel öffentlichem Geld gearbeitet, deshalb muss die Kontrolle auch entsprechend sein. Es ist eine genaue Betrachtung notwendig, wie teuer Gemeinnützige und zu welchem Preis Private bauen. Es gibt hier mit Sicherheit Einsparungspotentiale. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf Finanzierungs-modelle, Finanzierungsvorteile, Rücklagenbildung, Abrechnungsmodalitäten usw. gelegt werden.
Die Beobachtung der letzten Jahre zeigt, dass Überschüsse gemeinnütziger Wohnbauträger oft „künstlich auf null gesetzt“ werden. Rücklagenbildungen, Grundankäufe usw. führen dazu, dass trotz guter Ertragslage bei den Wohnbauträgern tatsächlich kein Gewinn mehr herauskommt.
Kommunale Aufgaben sind Gemeindesache
Vielerorts ist es üblich geworden, Aufgaben der Gemeinden auf Gemeinnützige Wohnbauträger abzuwälzen. Die Kosten dafür werden in der Folge auf die Mieter bzw. Wohnungskäufer weiter gegeben und damit zur Gänze privatisiert. Beispiele dafür sind die Errichtung von großzügigen Spielplätzen, umfangreiche Erschließungsaufgaben, Tiefgaragen und sonstige Parkplätze.
Günstige Startwohnungen mit befristeten Mietmodellen
Es gibt nicht nur arm und reich. Viele verdienen zu viel, um eine Stadt- oder Gemeindewohnung zu bekommen, aber zu wenig, um die Kosten am privaten Wohnungsmarkt finanzieren zu können. Diese Phase ist wichtig, um für spätere Wohnungsinvestitionen entsprechende Mittel ansparen zu können. Der Vorschlag: Günstige Startwohnungen mit befristeten Mietmodellen für fünf bis zehn Jahre.
Ausstattung überdenken
In der Bauwirtschaft hängt die Honorierung von Planungs- und Kontroll-Leistungen immer noch an der Gesamtbausumme. Daher haben verschiedene Berufsgruppen ein Eigeninteresse, dass die Bausummen nicht gesenkt werden. Nicht in jedem Fall muss die Ausstattung immer Top sein. So kostet etwa allein ein Tiefgaragenplatz bis zu 45.000 Euro, aber nicht jeder braucht einen solchen Platz. Diese Summe wird auf den Preis der Wohnung aufgeschlagen. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass verschiedene Praktiken die Kosten zusätzlich in die Höhe treiben. So werden Ausstattungsmerkmale bewusst in geringer Qualität in die Planung einbezogen. Die Beratung geht dann aber sehr wohl in die Richtung, eine Ausstattung höherer Qualität zu wählen. Damit ist der ursprünglich beworbene oder vereinbarte Preis nicht mehr verbindlich und nicht mehr zu halten. Sehr oft geht den Wohnungskäufern die Gesamtübersicht verloren. Zu hinterfragen sind auch gerade beim Gemeinnützigen Wohnbau teure Architektenwettbewerbe mit hohen Folgekosten.
Überdenken der Punktesysteme bei der Wohnungsvergabe
Bei der öffentlichen Vergabe von Wohnungen müssen auch junge, leistungsbereite Tiroler Familien eine Chance auf eine Stadt- oder Gemeindewohnung bekommen. Das soziale Kriterium allein wäre zu wenig.
Altersgerechtes Wohnen – Integrative Projekte
Anzudenken sind neue Wohnverbünde zwischen Alt und Jung, bei denen eine Durchmischung der Generationen gegeben ist. Dazu gibt es verschiedene Modelle wie freiwillige oder organisierte Nachbarschaftshilfe, Tagesbetreuung, betreutes Wohnen. Alle diese Aufgaben auf ehrenamtlicher Basis abzudecken, wird in Zukunft weder möglich noch sinnvoll sein. Die Koppelung zwischen der Übernahme solcher Aufgaben und einer deutlichen Mietreduktion sollte zeitlich befristet sein, könnte aber eine Chance für junge Menschen und Familien darstellen.
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