Mitarbeiter einer Friseur-Filiale wehrten sich gegen unhaltbare Zustände und wurden rausgeschmissen - AK Tirol geht jetzt gerichtlich dagegen vor.

Waschen, Schneiden, (Rein)legen. . .Recht hässlich kann es in einem Betrieb zugehen, der sich der Verschönerung von Kunden verschrieben hat: Dem Cutting Crew Friseursalon in Neu-Rum.

Bei der Cutting Crew handelt es sich um eine deutsche Friseur-Kette, die in Österreich zehn Filialen betreibt, davon fünf in Tirol, eine davon in Neu-Rum. Und dort ist die Situation vor kurzem völlig eskaliert. Als sich die Mitarbeiter dagegen wehrten wurden sie rausgeschmissen.

„Hier werden elementarste Arbeitnehmer- und Menschenrechte mit Füßen getreten“ bringt AK Präsident Erwin Zangerl die Missstände bei Cutting Crew auf den Punkt. „Die AK Tirol wird alle Mitarbeiter bei ihrem ungleichen Kampf gegen diese gesetzwidrigen Zustände voll unterstützen. Der deutschen Zentrale dürfte nicht klar sein, dass es in Österreich die AK gibt, die auf die Arbeitnehmer schaut. Alle Kündigungen und Entlassungen werden von den AK-Juristen bei Gericht bekämpft!“

So wird von den Crew-Mitgliedern verlangt, dass sie 30 Minuten täglich gratis arbeiten, 10 Minuten vor Arbeitsbeginn und 20 Minuten danach. Bereits nach einem Jahr soll der nichtverbrauchte Urlaub gänzlich verfallen. Während der Freizeit hat man ständig gratis in Rufbereitschaft zu sein und umgekehrt müsse man bei Bedarf auch die Freizeit am Arbeitsplatz verbringen. Und falls eine Mitarbeiterin bemerkt, dass sich eine Kollegin nicht an die Cutting-Crew-Gesetze hält, ist sie verpflichtet, dies der Geschäftsführung mittels eines Formblatts zu melden – eine besonders perfide Form der Mitarbeiterführung, die nur auf Druck, Angst und Denunziantentum beruht.

Die Vorkommnisse in der Cutting-Crew-Filiale Neu-Rum ließen sich die Mitarbeiterinnen nicht länger gefallen. Sie solidarisierten sich und gründeten mit Unterstützung der AK Tirol einen Betriebsrat. Die Betriebsratsvorsitzende sandte an die deutsche Zentrale ein Schreiben mit der Forderung nach korrekter Entlohnung, Einhaltung der Arbeitszeiten und Bezahlung von Fahrtkostenersätzen für die angeordnete Teilnahme an auswärtigen Fortbildungen.

Eigentlich etwas Selbstverständliches, was in dem Schreiben verlangt wird. Doch die Reaktion der deutschen Zentrale war anders. In den folgenden Wochen hagelte es Abmahnungen. Die Crew-Managerin und eine weitere Mitarbeiterin wurden gekündigt und mit Hausverboten belegt. Die Geschäftsführung forderte die verbliebenen Mitarbeiterinnen offen auf, die gerade gewählte Betriebsrätin abzulehnen. Und damit das Beispiel Neu-Rum nicht Schule macht, wurde ein Kontaktverbot mit den anderen Filialen verhängt. Als letztlich auch diese Maßnahmen der Geschäftsführung nichts brachten, wurden schließlich alle Mitarbeiterinnen der Filiale Neu-Rum rausgeschmissen – auch die Betriebsrätin.

Der Vorwurf: Die Mitarbeiterinnen hätten sich nicht an die sogenannten Cutting-Crew-Gesetze gehalten. Nur: Gesetze macht bei uns immer noch das österreichische Parlament und nicht ein deutscher Arbeitgeber. Und diese von der Geschäftsführung selbst gestrickten Cutting-Crew-Gesetze sind eindeutig rechtswidrig

Auch Lehrlinge betroffen

Minderjährige Lehrlinge sind besonders schwach - und gerade dies scheint die Geschäftsführung auszunützen. So wurden in den letzten Monaten von der Jugendabteilung der AK Tirol allein sechs Lehrlinge von Cutting Crew beraten und vertreten. Das Sündenregister: Anordnung ungesetzlicher Überstunden, unzulässige Kündigungen während der Behaltezeit, Missachtung der grundlegendsten Formvorschriften bei der Beendigung von Lehrverhältnissen, Verwarnungen wegen Klobesuchen, Anordnung unbezahlter Dienstbesprechung während der gesetzlichen Ruhezeit und Versetzungen von den Wohnorten Telfs, Absam und Rietz in die Filiale nach Kufstein.

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